Notizbuch

Wie Dankbarkeit Stressresistenz erhöht

Dankbarkeit macht zuversichtlicher und stressresistent – das zeigt eine Studie Hongkonger Psychologen, die mit Klinikangestellten in einer Doppelblindstudie durchgeführt wurde.

Ausgangssituation ist der anhaltende berufliche Stress im Klinikalltag, der – unabhängig von der eingenommenen Rolle – allgemein verbreitet ist und mit wahrscheinlichen Folgen für die persönliche psychische Verfassung der betroffenen Mitarbeiter und einer erhöhten Fluktuationsrate eines Krankenhauses verbunden ist.

Ziel der Studie war es herauszufinden, ob die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf dankbare Momente im beruflichen Alltag zu weniger Stress und reduzierten depressiven Symptomen führen können.

Für das damit verbundene Dankbarkeitstraining wurden Ärzte und Krankenschwestern gebeten, einen Monat lang zweimal pro Woche aufzuschreiben, wofür sie dankbar waren. Ihre depressiven Symptome und ihr Stresserleben verbesserte sich deutlich. Diese Effekte hielten mindestens drei Monate an.

Das, was hier im Rahmen des Dankbarkeitstrainings vom Hongkonger Klinikpersonal erfahren werden konnte, ist ein Aspekt, den wir auch in der lösungsorientierten Gesprächsführung kennen: Wir schauen auf das, was gut läuft. Dabei richten wir den Blick auf kleine Schritte, denn diese machen schon einen Unterschied. Das, was zunächst als „klein“ erscheint, summiert sich mit der Zeit.

In der Studie waren dies zum Beispiel:

  • Hilfe durch Kollegen (60-mal genannt, z.B. „Ich danke einem Kollegen sehr, durch den ich etwas Neues gelernt habe.“)
  • Geringere Arbeitsbelastung (50-mal genannt, z.B. „Ich bin sehr dankbar, dass sich heute keiner krankgemeldet hat und wir mit vollem Team arbeiten konnten.“)
  • Gute Beziehungen zu Kollegen (50-mal genannt, z.B. „Ich schätze meine Kollegin, der heute so nett zu mir war.“)
  • Kompetenzerleben (24-mal genannt, z.B. „Ich bin sehr dankbar und zufrieden, weil ich heute aus eigener Kraft ein Problem lösen konnte.“)
  • Wertschätzung durch Kollegen (19-mal genannt, z.B. „Ich bin dankbar dafür, dass meine Meinung von der Abteilungsleitung berücksichtigt wurde.“)

Das, was hier im klinischen Umfeld als Studie durchgeführt wurde, gilt auch für andere Berufsfelder. Erleben auch wir den Stress als anhaltend und merken, wie wir zunehmend den Eindruck gewinnen, der Situation nicht mehr in gewohntem Maße gewachsen zu sein? Warum nicht auch einmal das Experiment ausprobieren und zwei Mal in der Woche sich aufzuschreiben, wofür wir an diesem Tag dankbar sein können. Wer Lust hat auf mehr, kann auch direkt jeden Abend sich den (Arbeits)tag Revue passieren lassen und sich aufschreiben, welche Momente des Tages gut gelaufen sind und sich überraschen lassen, welchen Unterschied diese Gewohnheit im (Arbeits)Alltag macht. 

Quelle: Wirtschaftspsychologie aktuell, Link zur Studie
Bild: Pro Church Media on Unsplash

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