Notizbuch

Kein Weiterkommen?

Ich saß am Rechner und war in meine Arbeit vertieft als sich das Geräusch immer mehr bemerkbar machte. Nicht lange und ich sah sie – fast verzweifelt ihren Weg suchend. Nach draußen. Sie kannte den Weg, sah ihn förmlich vor sich – und doch ging es nicht weiter. Wieder und wieder versuchte sie es. Erstaunlich, wie zielstrebend und gewissenhaft doch manche Lebewesen in manchen Situationen sind.

Ich schaute mir ihre Suche nach dem richtigen Weg in ihre Freiheit, ihrem Ziel, eine kleine Weile an. Aus der Ferne betrachtet hätte ich ihr am liebsten zugerufen: „Du musst es nur so und so machen, dann hast Du schon Dein Ziel erreicht!“ Aber sie hätte mich nicht verstanden und ihre Wirklichkeit war ja auch eine andere. Sie kannte nur diesen einen Weg, der ihr versperrt war.

Ja, ich sah, dass die Motte, die immer und immer wieder gegen die Fensterscheibe flog, um nach Draußen zu gelangen, nur 5 cm weiter nach unten hätte fliegen müssen. Dort stand das Fenster weit auf. Eigentlich ganz einfach. Eigentlich.

Den Weg nach Draußen, zu ihrem Ziel konnte ich ihr ermöglichen. Viel brauchte es ja nicht. Es waren ja nur 5 cm.

Als die Motte ihren Weg frei verfolgte, dachte ich an das Leben und die vielen Herausforderungen, vor denen wir immer wieder gestellt werden. Oft finden wir den Weg alleine. Und manchmal haben wir unsere Richtung, unser Ziel oder unseren nächsten Schritt ganz klar vor Augen – nur scheint der Weg wie durch ein durchsichtiges Hindernis verstellt zu sein. 

Woran würden Sie merken, dass Sie Ihr Ziel oder Ihr Vorhaben erreicht haben? Wer sind Sie, wenn Sie Ihr Vorhaben umsetzen? Was machen Sie dann anders? Wie fühlt sich das an, wenn es Ihnen gelingt, Ihr Vorhaben umzusetzen? Und wo genau im Körper ist diese Wahrnehmung verortet? Welche Überzeugungen haben Sie dann, wenn Sie Ihr Vorhaben umsetzen? 

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