Notizbuch

Wenn ich noch einmal anfangen könnte.

„Wenn ich noch einmal anfangen könnte, ich wüsste, was ich anders machen würde!“ –

Haben Sie auch schon mal darüber nachgedacht und gedanklich durchgespielt, was wäre heute anders, wenn Sie damals eine andere Entscheidung getroffen hätten? Und würden vielleicht gerne die Zeit zurückdrehen, um Entscheidungen rückgängig zu machen, in der Hoffnung, dass alles besser geworden wäre?

Das obige Zitat ist die Aussage von Hannes Kürmann, Professor für Verhaltensforschung, in dem Stück „Biografie. Ein Spiel“ von Max Frisch. Begleitet von zwei „Spielleitern“ hat Hannes Kürmann die Gelegenheit, wichtige Momente aus seiner Biografie nicht nur noch einmal zu erleben, sondern auch zu verändern. Anlass war die Meinung des Professors, seine Ehe mit seiner jetzigen Frau sei eine Fehlentscheidung gewesen, die er – in dem „Spiel“ – verhindern möchte.

„Ich weigere mich zu glauben, dass unsere Biografie, meine oder ihre, oder irgendeine, nicht anders ausgehen könnte. Vollkommen anders. Ich brauche mich nur ein einziges Mal anders zu verhalten …“

Leichter gesagt als getan.

In dem für mich beeindruckenden Schauspiel wird sehr gut deutlich, wie weit der Wille und die Umsetzung voneinander entfernt sein können. Wir können sehen und mitfühlen, wie sehr alte Verhaltensmuster und emotionale Verstrickungen Hannes Kürmann bei seinem „Spiel“ im Weg stehen.

Vielleicht kennen Sie auch diese Situationen, in denen Andere gut gemeinte Ratschläge geben und sich wundern, warum „man“ sich nicht „einfach“ entscheidet. Ja. Manchmal mag etwas ganz einfach aussehen – von Außen. Mir fällt in diesen Momenten immer der indianische Spruch ein „Urteile nie über einen anderen, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist.“

Versöhnung?

Und was, wenn wir uns Vorwürfe machen? Uns immer wieder selbst fragen: „Warum, habe ich mich damals nicht dafür/dagegen entschieden?“ Wir binden nicht nur unsere Energie und hindern uns daran, im Hier und Jetzt zu leben. Wir tun vor allem auch unserem früheren Ich Unrecht. Wir sind uns selbst gegenüber nicht fair.

Vorwürfe, sich selbst und anderen gegenüber sind zwei von fünf Lösungsblockaden, die für Dr. Michael Bohne, Gründer der prozess- und emodimentfokussierten Psychologie (PEP®), die besten Konservierungsmittel für seelisches Leid sind.

Ich bin mir bewusst, dass diese Versöhnung mit sich selbst nicht leicht sein kann. Und doch ist dies aus meiner Sicht eine wesentliche Voraussetzung, um mit sich in Frieden zu kommen.

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Foto: Javier Allegue Barros on Unsplash

 

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