Notizbuch

Was macht ein gutes Leben aus?

Diese Frage stellten sich auch die Initiatoren einer Harvard-Studie, die vor 75 Jahren in den USA ins Leben gerufen 724 Männer wurden über 75 Jahre alle zwei Jahre gefragt, was sie glücklich macht. Die Studie begann, als die meisten Anfang 20 Jahre alt waren. Die meisten Teilnehmer der Studie vermuteten, dass viel Geld und viel Erfolg ausschlaggebend für ihr Glück seien.

Für die Studie wurden nicht nur Interviews geführt, auch die medizinischen Unterlagen der Teilnehmer wurden mit in das Projekt mit einbezogen.

Von den über 700 Teilnehmern leben heute noch an die 60 Personen. Was die Studie jedoch an Antworten zeigt, mögen wir vielleicht mehr oder weniger schon wissen oder doch zumindest erahnen:

»Gute Beziehungen ermöglichen ein glückliches und gesundes Leben.«

Robert Waldinger,  Psychiater, Psychoanalytiker, Zen-Priester und Direktor dieser Harvard-Studie über Werdegänge von Erwachsenen, berichtet weiter über 3 weitere wichtige Erkenntnisse, die aus der Studie abgeleitet und hier nur stichpunktartig aufgeführt werden:

  • Soziale Verbindungen sind wirken sich positiv auf unsere Gesundheit aus. Je mehr soziale Verbindungen zur Familie, zu Freunden oder innerhalb der Gemeinde, desto glücklicher die Teilnehmer. Wahrgenommene Einsamkeit, trotz Eingebundensein in Familie oder in Partnerschaft, kann sich dagegen „kontraproduktiv“ auswirken.
  • Entscheidend für das wahrgenommene Glück ist weniger die Anzahl der sozialen Verbindungen, sondern die wahrgenommene Qualität von engen sozialen Verbindungen.
  • Gute Beziehungen schützen nicht nur unsere Körper, sondern auch unser Gehirn.

Jetzt kann man natürlich anmerken, dass die Studie allein deshalb schon nicht allgemeingültig sein kann, da zum Beispiel ausschließlich Männer befragt wurden. Ich verstehe solche Studien dann auch eher als Angebote oder Einladungen, sich Gedanken über das eigene Leben und die eigenen Beziehungsstrukturen zu machen:

Welche sozialen Verbindungen gibt es in meinem Leben, die ich aktiv pflege und wahrnehme? … Und welche Qualitäten messe ich diesen Verbindungen bei? … Woran merke ich, dass ich eine Beziehung als eine gute Beziehung erlebe? … Wo erlebe ich vielleicht Einsamkeit, obwohl ich nicht allein bin? … Wann erlebe ich mich vielleicht etwas weniger einsam? … Was ist dann anders? … Was mache ich vielleicht sogar anders als sonst? …

 

Film/Infos: TED
Foto: Annedore Liebs-Schuchardt